BürgerAktion Mühlentunnel

 

Gutachten zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes 2005


Weitere Anmerkungen zum Gutachten

Hinweise zu den Themen Lärm, Schadstoffe, Verkehrssicherheit

Auf die Themen Lärm, Abgasemission, Feinstaub im Zusammenhang mit dem Verkehr und auf das Thema Verkehrssicherheit geht das Gutachten kaum ein. Es finden sich nur wenige Aussagen, welche Auswirkungen die einzelnen Alternativen auf diese Faktoren haben. Das Thema Lärm kommt beispielsweise nur in Zusammenhang mit der Entlastung der Kirchenstraße durch den Ostring vor: Eine Entlastung der Kirchenstraße um 27% wird als nicht relevant bezeichnet, weil der Lärm weiterhin sehr hoch sein würde. Die unmittelbaren Anwohner und Nutzer der Kirchenstraße könnten das durchaus anders bewerten.

Das Gutachten spricht sich dafür aus, dem Planungsansatz der „inneren Erschließung“ des Verkehrs dem Vorrang vor der „äußeren Erschließung“ zu geben. Die Wirkung dieses Planansatzes: Mehr Verkehr wird zukünftig in die Innenstadt und in die westlichen Wohngebiete gedrückt. Die daraus resultierende wachsende Belastung der Einwohner durch die obigen „Verkehrslasten“ werden für die einzelnen Alternativen nicht
deutlich. Beim Thema Lärm sollten die Entscheider besonders sensibel sein, weil die Buchholzer Wohngebiete z. T. bereits durch die Bahn einer hohen Verlärmung ausgesetzt sind und künftig durch die neue Y-Trasse noch stärker ausgesetzt sein werden.

1. Feinstaubbelastung

Die EU-Feinstaubrichtlinie von 1999 gilt auch für Buchholz. Sie ist seit 1.1.2005 in Kraft, und zwar ohne Toleranzmargen.

Bei beidseitiger Bebauung der Straße werden die Feinstaub-Grenzwerte bei ca. 20- 25000 Kfz/24h erreicht. Die Feinstaubbelastung wird zusätzlich stark erhöht, wenn in den Straßen häufig Staus auftreten. Die Folgen von hoher Feinstaubbelastung:

- Feinstaubbelastung drückt die Lebenserwartung um ein Jahr (Quelle: WHO)
- Feinstaub verursacht Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen. Feinstaub fördert auch Arteriosklerose (aktuelle US-Studie)
- Feinstaubbelastung ist in Deutschland vorzeitige Todesursache für ca. 70 000 Menschen im Jahr (EU- Kommission 2005). ührende Experten bestätigen dies.
- Belegt ist der unmittelbare Zusammenhang zwischen Herzinfarkt und Luftschadstoffen auf den Straßen (Studien des Institut für Epidemiologie, München).

Die vorgeschlagene „innere Erschließung“ des Verkehrs fördert eine hohe Feinstaubbelastung und die Zunahme sonstiger Luftverschmutzungen in der Kirchenstraße und in der Bremer Straße/Ost (ohne Südtangente). Beides Straßenabschnitte mit hohem Staupotenzial.


2. Lärmbelastung

Lärm wird immer mehr zu einer der stärksten Umweltbelastungen der Bürger. Der Verkehr ist einer der Hauptverursacher. Für Buchholz besteht aufgrund des Bahnlärms für viele Wohngebiete bereits eine hohe Lärmbelastung. Aus diesem Grund wären Hinweise dazu im Gutachten durchaus hilfreich für die Entscheidungsfindung. Es gibt dazu jedoch nur zwei Hinweise : 1. Kirchenstraße siehe oben und 2. Steinbecker-/ Seppenser Mühlenweg („… die Verkehrsbelastungen haben ein Niveau erreicht, das von den Bewohnern als störend eingestuft wird“… ). Die eigene Einschätzung der Gutachter zu dieser Belastung erfährt der Leser nicht.
Das ist ein Defizit, weil die Gutachter für die „innere Erschließung“ des Verkehrs plädieren, was gleichbedeutend ist mit zusätzlichen Lärmbelastungen auf fast allen Straßen in der Kernstadt.

Zur Einschätzung von Lärmbelastungen, die Schallpegel in Dezibel - dB(A) - für einige Ereignisse (Quelle: Krankenkassen- Report):

- 20 dB Blätterrascheln
- 60 dB Unterhaltung
- 85 dB mittlerer Straßenverkehr
- 93 dB Schleifmaschine
Hörschutz sollte man schon ab 85 dB tragen.

Die Folgen von Lärmbelastungen:

- Anstieg des Herzinfarktrisikos um 30% bei mittleren Tagesschallpegel im Außenbereich über 65 dB (Quelle: Umweltbundesamt)
- Ein dauerhafter Verkehrslärmpegel von 55 dB kann krank machen, als schleichender Prozess.
Folgen: Schädigung Herz- und Kreislaufsystem, Immunschwäche. (Quelle: Langzeitstudie der Robert-Koch-Instituts, 2002). Bei geschlossenem Fenster und einer Beschallung von 50 dB verdoppelt sich das Herzinfarkt-Risiko, bei geöffnetem Fenster dagegen erhöht sich die Gefahr bereits um das Sechsfache.
- Insbesondere Nachtlärm führt bei Kindern zu extremen körperlichen Stressreaktionen (Quelle: Umweltbundesamt)
- Menschen aus stark mit Verkehrslärm belasteten Wohngebieten sind häufiger wegen Bluthochdrucks in ärztlicher Behandlung als diejenigen, die an weniger belasteten Straßen wohnen (Studie des Umweltbundesamt / Robert-Koch-Institut mit 1700 Teilnehmern).

Zur Einschätzung der bereits bestehenden Lärmbelastung auf den Straßen in der Kernstadt, speziell in Wohngebieten, folgender Hinweis: die aktuelle EU- Umgebungslärmrichtlinie verpflichtet demnächst die Städte, bei Straßen mit mehr als 8000 Kfz/24h lärmmindernde Maßnahmen zu ergreifen.

Im nördlichen Teil des Steinbecker Mühlenwegs (reines Wohngebiet) ist diese Grenze mit aktuell 7800 Kfz/24h bereits heute erreicht. Nach den vorliegenden Gutachterempfehlungen soll noch mehr Verkehr in dieses Wohngebiet geleitet werden, so dass künftig 9000 - 10000 Fahrzeuge täglich dort fahren sollen. Dabei ist das Risiko, dass die Prognosen hier von zu niedrigen Fahrzeugmengen ausgeht sehr groß. Für den nördlichen Teil des
Seppenser Mühlenwegs wird mit wesentlich höheren Zahlen geplant. Gleichzeitig soll der Stadtteich noch seine Naherholungsfunktion behalten, was zu bezweifeln ist. Für viele andere Straßen gilt die zunehmende Lärmbelastung durch zusätzlichen Verkehr ebenfalls. Zu diesen Problemen nimmt das Gutachten nicht Stellung.


3. Verkehrssicherheit

Auch dies ist nur ein Randthema für das Gutachten, soweit es den Straßenverkehr betrifft. Wir haben lediglich den Hinweis auf zusätzliche Querungshilfen im Steinbecker Mühlenweg gefunden.

Obwohl der Steinbecker Mühlenweg sich durch überhöhte Geschwindigkeiten auszeichnet, soll noch mehr Verkehr hineingeleitet werden. Damit wächst das Unfallrisiko auf dieser Straße, die zugleich Schulweg für Grundschüler ist.

Zu hohe Geschwindigkeiten sind generell immer noch die Hauptursache für Unfälle. Es entscheidet die Geschwindigkeit eines Fahrzeuges darüber, ob ein Fußgänger oder Radfahrer bei einem Zusammenstoß eine Überlebenschance hat:

Aufprallgeschwindigkeit 60 km/h Überlebenschance nur 15%
Aufprallgeschwindigkeit 80 km/h Überlebenschance gleich Null (Quelle: Polizei Hamburg)

Tempo 80 ist im Steinbecker Mühlenweg keine seltene Ausnahme. Das Unfallrisiko für Radfahrer ist nach unserer Einschätzung aufgrund dieser Situation hier wesentlich höher einzuschätzen als im Tunnel (der Radfahrer bestimmt die Geschwindigkeit).

Mehr Verkehr in der Kernstadt bedeutet auch mehr Unfälle: Obwohl die Fahrleistung innerhalb von Ortschaften deutlich geringer als außerhalb ist, ereignen sich in den Orten 2/3 der Unfälle mit Personenschaden und schwerem Sachschaden (Quelle: Bundesvereinig. der Straßenbau- und Verkehrsingenieure e.V.).

Fazit:

Eine Verkehrspolitik, die immer mehr Fahrzeuge in die Wohnstraßen und Innenstadt drückt, verschärft diese dargestellten Probleme auch in Buchholz. Bei Abwägung von Vor- und Nachteilen der anstehenden Investitionsalternativen (Brücke, Tunnel, Ostring) sind diese Folgen von Ent- oder Mehrbelastungen der Straßen als Beurteilungskriterium zu berücksichtigen. Das Gutachten hält sich bei den Maßnahmenvorschlägen in dieser Hinsicht sehr zurück.

 

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