Herrn
Bürgermeister Norbert Stein
Rathaus

21244 Buchholz


28. Januar 2003

Bebauungsplan „Mühlentunnel“ / Ihr Schreiben vom 16. 01. 03


Sehr geehrter Herr Bürgermeister Stein,

für Ihr ausführliches Antwortschreiben möchten wir uns bedanken. Um möglichen Missverständnissen entgegenzuwirken noch einige ergänzende Anmerkungen.

Wir haben nicht der Verwaltung Falschwissen und ein unzureichendes Entscheidungsverfahren unterstellt. Dafür gibt es keinen Grund. Eine Entscheidung hatten die Ratsmitglieder zu treffen, sie waren deshalb Adressaten unserer Kritik (siehe Schreiben an die Ratsmitglieder).

Warum kritisieren wir das Entscheidungsverhalten des Rates? Zum einen, weil die Verwaltung dem Rat im März 2002 empfohlen hat, weitere Entscheidungen in dieser Sache erst zu treffen, wenn die Ergebnisse aus einem Gutachten über Vernetzungen/Auswirkungen dieser Maßnahme vorliegen, die u.a. auch Einfluss auf die Prioritätensetzung haben könnten. Diese Daten lagen dem Rat nicht vor, trotzdem wollte er entscheiden und hat entschieden. Zusätzlich gibt es für die Bahnquerung durchaus mehrere sachliche Alternativen. Nach unserer Meinung kann nur ein sachlicher Vergleich aller Alternativen die beste Lösung und die zweckmäßigen Handlungsprioritäten herausarbeiten. Diesen Alternativen-Vergleich als Teil eines vollständigen Entscheidungsprozesses für die Prioritätenbestimmung vermissen wir.

Wenn wir von Falschwissen sprechen, so ist das nichts Ehrenrühriges, sondern ein Tatbestand, der bei komplexen Entscheidungsprozessen häufig anzutreffen ist (Folge eines unvollständigen Wissensmanagements bzw. unzureichender Informationsarbeit). Niemand ist frei davon. Auch wir nicht, zumal wir sicherlich die unvollständigste Datengrundlage haben. Das Falschwissen führt zu bestimmten Annahmen und Beurteilungen, die sich wiederum in der Entscheidungsqualität auswirken. Darauf haben wir hingewiesen.

In der Beurteilung und Interpretation der vorliegenden Gutachten unterscheiden wir uns. Da wir, die Verwaltung und auch die Mehrheitsfraktionen die Dinge aus unterschiedlichen Sichtweisen sehen, ist das zu Beginn eines Prozesses sicherlich normal.

Eine grundsätzliche Ablehnung des zweispurigen Ausbaus des Tunnel ist nie die Maxime unseres Handelns gewesen. Unsere Vorschläge lauten anders. Wir haben sie Ihnen in unserem Schreiben vom 29. 7. 2002 mitgeteilt. Nicht das „Ob“ ist Ziel unserer Kritik, sondern das bisher im politischen Raum angestrebte „Wie“ der Maßnahme. Hinzukommt, dass die Bürger in den betroffenen Wohngebieten die Auswirkung dieser Maßnahme auf ihr Wohnumfeld anders beurteilen als die Politiker und feststellen müssen, dass in den Mehrheitsfraktionen ihre Besorgnisse bisher mit leichter Hand abgetan werden.

In der Absicht, unterschiedliche Beurteilungen und Sichtweisen sachlich und konstruktiv in den künftigen Diskussionsprozess einzubringen, treffen wir uns. Wir haben uns bemüht, bisher so zu verfahren. Wobei es sicherlich schwierig ist - für beide Seiten - in einem Prozess mit einem hohen Grad der Betroffenheit zwischen akzeptabler und überzogener Kritik immer die Balance zu halten. Sie wissen selbst, dass die Intention des Senders einer Information nicht unbedingt damit übereinstimmen muss, was der Empfänger zu verstehen glaubt. Wenn Sie beispielsweise unseren Terminus „unverantwortlich“ als „verantwortungslos“ interpretieren (was wir beim zweiten Nachlesen des Textes auch nicht ausschließen konnten), dann wäre eine andere Wortwahl besser gewesen. Vielleicht gilt auch für uns „ Übung macht den Meister“.

Mit freundlichen Grüßen

für die BürgerAktion

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