BürgerAktion Mühlentunnel

 

Gutachten zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes 2005

Wertung der Ergebnisse aus der Sicht der BürgerAktion Mühlenwege

Was wir positiv sehen:

l Dass das Gutachten zum ersten Mal alle drei Alternativen in einer vergleichenden Bewertung darstellt, ist sehr positiv. Wir haben dies immer wieder gefordert. Mit dem von uns entwickelten Verfahrensvorschlag zur Entscheidungsfindung haben wir darauf auch reagiert (siehe Anlagen).

l Wir sehen uns in wichtigen Kritikpunkten an den bisherigen Planungsvorstellungen der Stadt durch das Gutachten bestätigt:

- Der Tunnel löst nicht die Verkehrs- und Knotenpunktprobleme in der Innenstadt

- Der Tunnel wird für eine bessere Anbindung der Südstadt nur eine geringe Bedeutung haben

- Der Anteil des Durchgangsverkehrs im Sepp. und Steinbecker Mühlenweg ist wesentlich größer als bisher von der Politik angenommen

- Der Tunnelneubau wird auch stärker, als bisher von der Politik behauptet, zu Verkehrszuwächsen in den Mühlenwegen führen. Wurden die Anwohner bisher von der Politik mit Zuwachszahlen von 400 - 600 Kfz beruhigt, geht das Gutachten schon von einem doppelt so großen Zuwachs aus. Wir halten auch diese Zuwachszahlen des Gutachtens für zu gering.

- Die aktuellen Belastungszahlen im Vergleich zu den vorherigen Gutachten machen deutlich, dass das Verkehrsaufkommen im Steinbecker Mühlenweg immer deutlich unterschätzt wurde. Das Gutachten geht von aktuell 7800 Kfz/24h aus. Nach unseren Einschätzungen gehen auch diese Analysezahlen von zu niedrigem Verkehrsaufkommen aus, insbesondere im südlichen Teil der Straße.

- Die aktuellen Analysezahlen im Vergleich zu früheren Zahlen machen deutlich, dass in der Vergangenheit der wachsende Trend zu Verlagerung von Verkehr in die westlichen Wohngebiete nicht ausreichend gesehen wurde. Auch das haben wir immer wieder kritisiert.


Folgende Kritik ist an den Aussagen /am Zahlenwerk des Gutachtens zu üben:

l Auf Seite 28 des Gutachtens wird der Straßenzug Sepp.- / Steinb.Mühlenweg als zweite Nord-Süd-Verbindung für die Durchfahrung der Stadt/Durchgangsverkehr neben der ersten Nord-Süd-Verbindung über die Canteleubrücke eingestuft. Damit wird im Gutachten, zwar mit einer
anderen Wortschöpfung aber in der Sache deckungsgleich, dem von uns immer wieder stark kritisierten Westring-Konzept das Wort geredet. Das Konzept, das angeblich nur in den Köpfen der Bürgeraktion existiere, wird hier nun als Verkehrskonzept der Stadt dargestellt. Das widerspricht allen bisherigen Zusagen der Mehrheitskoalition und auch anderer Parteien den Anwohnern gegenüber. Das widerspricht auch den Vorgaben für das Planungsbüro, das die Bauplanung für den Tunnelneubau bearbeitet (siehe Machbarkeitsstudie GFL vom Febr. 2005).

Diese Aussagen müssen vom Rat korrigiert werden, will die Politik den Anwohnern gegenüber glaubwürdig bleiben.

l Auf Seite 85/86 bewertet das Gutachten die Einführung von Tempo 30 auf dem Steinbecker Mühlenweg. Das negative Urteil kann mit der gegebenen Begründung nicht akzeptiert werden.

- richtig ist, dass die Mehrheit der Anwohner für die Beibehaltung der Regelung war.

- richtig ist, dass der größte Teil der Probleme durch eine z.T. nicht nach den Planvorgaben erfolgte Realisierung verursacht wurde.

- nicht erwähnt wurde eine massive Pressekampagne gegen diese Regelung

- offenbar nicht überprüft wurden vom Gutachter die Folgen der Aufhebung dieser Regelung:
massiver Anstieg des Verkehrsaufkommens, Zunahme der Geschwindigkeiten und der Unfälle.

Resultat: Der Steinb. Mühlenweg ist heute wohl die unfallträchtigste Straße und die Straße mit
dem höchsten Anteil an Geschwindigkeitsüberschreitungen in Buchholz.
Die Aussage des Gutachtens zum Rückbau : „Diese Lösung hat sich etabliert“ ist damit mehr als
fragwürdig und als gutachterliche Feststellung nicht akzeptabel.

 

l Auf den Seiten 30/31 des Gutachtens wird die Struktur des Verkehrsaufkommens in den Mühlenwegen und der Verkehrsfluss Bremer Str / Tunnel dargestellt. Das Gutachten geht davon aus, das 59% des Durchgangsverkehrs des Steinbecker Mühlenwegs tunnelbezogen ist. 41 % des Durchgangsverkehrs wird hiernach über die Bremer Straße abgewickelt. Da es sich um Durchgangsverkehr handelt, kann dieser Verkehr nur in Richtung
Bremer Str./West oder Sprötze fahren.
Diese Zahlen sind durch Kennzeichenzählung am 29. 9. 2004 in der Zeit von 15 - 19 Uhr ermittelt worden. Wir halten diese Zahlen für wenig belastbar. Nach unseren täglichen Beobachtungen fahren ca. 85- 90% der Rechtsabbieger aus dem Steinbecker Mühlenweg in Richtung Tunnel und
nur 10 - 15% in Richtung Bremer Straße.

Gezählt wurde von Schülern. Wie im Detail die Zählung durchgeführt wurde, konnte bei einem Informationsgespräch in der Stadtverwaltung nicht im Detail geklärt werden.

 

l Auf Seite 85 wird berichtet, dass der Steinbecker Mühlenweg zur Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern mit vier Querungshilfen versehen sei. Diese Aussage ist falsch. Es existieren nur im nördlichen Teil zwei Querungshilfen. Im südlichen Teil gibt es zwei kleinere variable Verkehrsinseln, die nicht als Querungshilfe genutzt werden können und die kaum geschwindigkeitsdämpfende Wirkung entwickeln.
Aufgrund des massiv angewachsenen Verkehrs seit Aufhebung der Tempo 30 Regelung sind zusätzliche Querungshilfen im südlichen Teil als Ersatz für die variablen Verkehrsinseln und im mittleren Teil als Hilfe zum Erreichen der Bushaltestelle notwendig.
Das würde auch den Plänen entsprechen, die 1997/98 mit den Bürgern bezüglich des Rückbaus abgesprochen und auch vom Rat beschlossen worden sind und 7 Querungshilfen mit Verschwenkungen vorsahen. Tatsächlich wurden die Rückbaumaßnahmen nicht entsprechend den beschlossenen Plänen durchgeführt. Der Rat hat das hingenommen und akzeptiert, dass den Bürgern gemachte Zusagen nicht eingehalten worden sind.


l Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass das Gutachten bei allen Maßnahmenempfehlungen davon ausgeht, dass die Südtangente bereits gebaut ist. Unter diesem Vorbehalt sind alle Analysen und Aussagen zu den Verkehrszahlen, Be -und Entlastungen von Straßen und Knotenpunkten aufgrund von alternativen Maßnahmen zu sehen.
Hierin steckt ein erhebliches Risikopotenzial des Gutachtens für die Belastbarkeit der Gutachtenzahlen. Bisher liegt keine Entscheidung des Rates darüber vor, dass die Südtangente die Priorität 1 bei anstehenden Investitionsmaßnahmen hat.

 

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